Gedenkstätte und Sühnekapelle in Hinzert


 

 

 

 

 

 

 

 

 

Sühnekapelle in Hinzert

Die Gedenkstätte und Sühnekapelle Hinzert ist eine Anlage, die uns an eines der dunkelsten Kapitel deutscher Geschichte erinnert,

an die böse Tatsache nämlich, dass hier Menschen des Ungeistes jahrelang andere Menschen entwürdigt, gepeinigt und gemordet haben.

An der Stelle, an der heute eine schlichte Kapelle errichtet und ein Friedhof angelegt ist,

befand sich in den Jahren 1940 bis 1945 das SS-Sonderlager Hinzert, eine Stätte des Leidens und des Todes

während der nationalsozialistischen Diktatur. Mindestens 15.000 Menschen sind durch das Lager geschleust worden,

302 von ihnen fanden hier einen gewaltsamen Tod. Den Mittelpunkt der Gedenkstätte bildet das Gräberfeld.

Ein wuchtiges Kreuz aus rotem Sandstein, auf der Anhöhe oberhalb des ehemaligen Lagers als Zeichen der Erinnerung,

der Sühne und der Versöhnung errichtet, überragt die langen Grabreihen der hier beerdigten Häftlinge;

sie waren aus ihren Gräbern auf dem jüdischen Friedhof in Hermeskeil sowie aus Gräbern im nahe gelegenen Wald auf den im März 1946

hier neu angelegten Friedhof überführt worden. Auf den 217 Grabstellen stehen kleine steinere Kreuze, auf denen die Namen fehlen,

weil die Grablage der einzelnen Toten unbekannt ist.

Auf der Deckplatte eines im Ostteil des Friedhofs aufgestellten Sarkophages sind Namen und Nationalität

der im Gräberfeld der Gedenkstätte ruhenden Toten eingemeißelt;

genannt sind 8 Russen, 64 Luxemburger, 51 Franzosen, 41 Polen, 18 Belgier, 2 Niederländer, 3 Deutsche und 1 Kroate;

bei weiteren 29 Toten waren weder Name noch Herkunftsland feststellbar.

Nicht alle im SS-Sonderlager Hinzert umgekommenen Häftlinge sind auf dem Friedhof der Gedenkstätte beerdigt;

insbesondere Luxemburger, Belgier und Franzosen wurden 1945/46 in ihre Heimatländer überführt und dort beigesetzt.

Das Ende Oktober 1945 von ehemaligen luxemburgischen Häftlingen auf dem Lagergelände errichtete große Holzkreuz

wurde ebenfalls im März 1946 nach Luxemburg gebracht und dort auf dem städtischen Friedhof von Notre Dame aufgestellt.

Die Gedenkstätte Hinzert ist für unser Nachbarland Luxemburg eine "nationale Gedenkstätte";

das besagt auch eine Bronzetafel im Eingangsbereich der Sühnekapelle, auf der es heißt:

"Zum Gedenken der Luxemburger, die hier litten und starben. Dir sid net vergiess! Federation des victimes du nazisme enrolees de force Luxembourg".

Die gepflegte Anlage des Friedhofs, aufgelockert durch Bäume und Sträucher, lässt heute kaum noch die frühere Stätte der Unmenschlichkeit erahnen;

doch der Friede des Ortes täuscht.

Dem Hauptkreuz der Friedhofsanlage gegenüber steht eine von dem Luxemburger Bildhauer (und ehemaligen Hinzerter Häftling) Lucien Wercollier

geschaffene Großplastik; dieses Bronzedenkmal zur Erinnerung an die hier Inhaftierten und Ermordeten wurde am 11. Oktober 1986 eingeweiht.

Es zeigt in Abstraktion die Gestalten dreier Häftlinge, die sich über eine Feuerschale zum Mittelpunkt des Denkmals neigen.

Der Künstler schreibt zum Symbolgehalt des Mahnmales:

"Dieses Denkmal soll nicht die Schrecken des KZ Hinzert widerspiegeln... es soll einladen zur Meditation und zur besinnlichen Ruhe...

dies illustriert die auf dem Sockel eingravierte Schrift:

IN ADOREM HUMANITAS, PACIS ET JUSTITIAE - Durchdrungen von Menschlichkeit, Frieden und Gerechtigkeit.

Ich habe in den Figuren Wächter gesehen." An der Westseite der Gedenkstätte steht eine Sühnekapelle;

sie wurde, auf Anregung des Beurener Pastors Fortuin, von deutschen Verwaltungs- und Kirchenbehörden unterstüzt,

auf Anordnung des französischen Militärgouverneurs neben dem neu angelegten Friedhof errichtet.

Planung und Bauleitung lagen in den Händen des Trierer Architekten Toni Schmidt. Mit den Bauarbeiten wurde im September 1947 begonnen;

sie waren Ende Oktober 1948 abgeschlossen; am 4. November 1948 erfolgte die Einweihung der Kapelle.

Auf dem Altar des fast schmucklosen Innenraumes steht eine aus Holz geschnitzte Luxemburger Muttergottes-Statue

"Maria Consolatrix`, die im Juli 1949 in feierlicher Prozession zur Kapelle getragen und dort aufgestellt wurde.

Statuen der Pieta und des hl. Georg an den Seitenwänden der Kapelle sollen ebenfalls an die Leiden und Opfer der hier Inhaftierten

sowie an den Kampf gegen das Böse der NS-Diktatur erinnern. Im überdachten Vorraum der Kapelle hängt eine weitere Bronzetafel,

auf der geschrieben steht:

In dieser Gedenkstätte ruhen über 200 Opfer des SS-Sonderlagers bei Hinzert, allein 64 Nachbarn aus Luxemburg.

In den Jahren von 1940 bis 1945 verloren Menschen aus neun Nationen hier ihr Leben.

Damals führte die nationalsozialistische Ideologie mit ihrem Rassen- und Nationalitätenwahn zur millionenfachen Verletzung

der Würde und Rechte des Menschen in Deutschland und im unterworfenen Europa.

Die Gräber der Geschundenen, Gepeinigten und Ermordeten müssen auch nach dem Verschwinden des Sonderlagers für immer eine Mahnung bleiben,

damit das Opfer der hier Begrabenen nicht umsonst war. An diesem Ort sind die Bürger Europas aufgerufen, mit Gottes Hilfe

und durch ihren persönlichen Einsatz für Menschenwürde und Menschenrechte die Grundlage von Freiheit und Frieden zu schaffen. November 1982".

(Quelle "Alte und neue Kapellen", Aus dem Hochwald, Herausgeber: Arbeitskreis Heimatkunde im Bildungswerk Johanneshaus Hermeskeil)
 


Vor 60 Jahren: Gedenkstätten-Kapelle Hinzert eingeweiht

 
 


 

 

 

 

 

 

 

Die Kapelle in der Gedenkstätte Hinzert (Foto: Seimetz)

Kurz nach dem Krieg wurde auf dem Gelände des ehemaligen Konzentrationslagers Hinzert der Friedhof mit den sterblichen Überresten

von mehr als 200 Opfern des Nazi-Terrors angelegt. Die Toten aus Luxemburg wurden in ihr Heimatland überführt.

Andere der weit über 300 Opfer wurden erst später oder gar nicht gefunden.

Von Versöhnung sprach damals noch kaum jemand - zu schrecklich waren die Verbrechen der Nazis,

zu frisch die Erinnerung der Angehörigen und der Überlebenden.

Doch der damalige Beurener Pastor Arnold Fortuin, der selbst aus den Niederlanden stammte, versuchte den Weg der Versöhnung,

des Mahnens und des Erinnerns zu gehen und regte die Errichtung einer Kapelle an.

Vor 60 Jahren, im November 1948, wurde sie eingeweiht und dient besonders den Angehörigen der ehemaligen Häftlinge als Andachtsstätte.

Die Pfarrei Beuren, zu der Hinzert gehört, setzt die Arbeit ihres ehemaligen Seelsorgers fort

und kommt immer wieder zu Gottesdiensten und Gedenkveranstaltungen hierher.

Am Volkstrauertag feierte der jetzige Pastor Ingo Flach in der Kapelle eine Messe für die Opfer von Krieg und Terror

und betete mit den Gläubigen für den Frieden. (ws)

 


Georg Baldy aus Hinzert-Pölert verstorben

Seit 1958 Betreuer der Gedenkstätte "SS-Sonderlager/KZ Hinzert"

Georg Baldy, der sich seit 1958 der Pflege der Gedenkstätte SS-Sonderlager/KZ Hinzert gewidmet hatte,

wurde in der vergangenen Woche zu Grabe getragen. Er war Träger des rheinland-pfälzischen Verdienstordens

und "Ritter im Verdienstorden des Großherzogtums Luxemburg".

Der Grossherzog von Luxemburg ließ ihn 2002 durch Luxemburgs Premier-Minister Jean-Claude Juncker zum

"Ritter im Verdienstorden des Großherzogtums Luxemburg" erheben.

Offiziell wurden damit seine "großen Verdienste für die Erhaltung der Gedenkstätte" anerkannt.

Und schon 1995 erhielt Georg Baldy aus den Händen des rheinland-pfälzischen Ministerpräsidenten Kurt Beck,

den Verdienstorden des Landes Rheinland-Pfalz überreicht.

 

Georg Baldy, geboren am 21. November 1921,

widmete sich seit Januar 1958 der Pflege und Betreuung der Gedenkstätte SS-Sonderlager/ KZ Hinzert.

 

 

 

 

 

 

 

"Er kümmerte sich nicht nur um die Pflege des Ehrenfriedhofs der Gedenkstätte und der Kapelle.

Er stand auch, lange bevor das Land Rheinland-Pfalz mit der regelmäßigen und intensiven Erinnerungsarbeit

an der Gedenkstätte begann, jederzeit als Ansprechpartner für ehemalige Deportierte aus vielen europäischen Ländern,

insb. aus Belgien, Frankreich und Luxemburg, zur Verfügung." stellte Dr. Dieter Schiffmann,

Direktor der Landeszentrale für politische Bildung Rheinland-Pfalz, heraus.

Er war auch für die Landeszentrale für politische Bildung, die 1991 mit der Gedenkarbeit in Hinzert betraut worden war,

ein wichtiger Helfer. Sein Tod ist ein großer Verlust für die Gedenkstätte "SS-Sonderlager/KZ Hinzert".

 

 


Ehemalige Kiesgruben

 

 

 

 

 

 

 

 

           

Diese ehemaligen Kiesgruben wurden vom damaligen SS-Sonderlager/KZ Hinzert während des Krieges benutzt und ausgebeutet.

Die Gruben entlang des "Füllbaches" zogen sich bis zur heutigen Autobahntrasse hin. Ehemalige überlebende Häftlinge haben dies bestätigt.

Sie mußten einen eisenbereiften Karren wie Zugvieh unter Aufsicht vom Waffen-SS-Personal

des Totenkopf- Sturmbanners "Hinzert" hierher ziehen.

Kies aufladen und den Karren zurückziehen. Das Material wurde zu Bauzwecken im Lager verwandt.

In der Anklageschrift gegen den grausamsten der drei Lagerkommandanten, SS-Hauptsturmführer Paul Sporrenberg,

der das Hinzerter Lager, seine Nebenlager und Außenkommandos vom 23.April 1942 bis zum 17. Januar 1945 kommandierte,

haben Zeugen diese Kiesgruben als Ort erwähnt, wo vermutlich etwa 40 Opfer verscharrt worden seien.

Entsprechende Akten der französischen Besatzungsmacht stehen der Forschung noch nicht zur Verfügung.
Schon im Herbst 1945 und dann ab 20. Februar 1946 unter Aufsicht offizieller Exhumierungskommissionen

wurde bis zum 16. Juni 1946 nach verschwundenen Opfern gesucht.

274 Gebeine konnten insgesamt tatsächlich aufgefunden werden,

die meisten auf dem ehemaligen Häftlingsfriedhof neben der heutigen Tank- und Raststätte Hochwald Ost neben der Bundesautobahn.

Den Toten, meist unvorstellbar grausam zu Tode Gequälten, Verhungerten und an KZ-üblichen Krankheiten Verstorbenen,

waren zuvor mit groben Zangen vorhandene Goldzähne ausgerissen worden.

Zur Beschleunigung des Verwesungsprozesses hatte SS-Personal in der Regel auf die Leichname Chlorkalk geschüttet.

Auch deshalb waren viele exhumierte Gebeine 1946 nicht mehr identifizierbar. Solche Opfer ruhen seit 1946 in der

Gedenkstätte des Landes Rheinland-Pfalz "Ehemaliges SS-Sonderlager/KZ Hinzert".
 

Verantwortlich für diese Informationstafel:

Projektgruppe ehemaligen SS-Sonderlager KZ Hinzert, Gymnasium Hermeskeil.

 

 


Lageplan der Gedenkstätten Hinzert

 

Legende:

 1 Luxemburgischer Gedenkstein für Opfer des Streiks 1942

 2 Erschießungsstelle und ehemaliges Massengrab (1942)

 3 Gedenkstein für ca. 70 ermordete sowjetische Kommissare

 4 Luxemburgischer Gedenkstein für Opfer vom 25.2.1944

 5 Erschießungsstelle und ehemaliges Massengrab (1944)

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Die Gedenkstätte SS-Sonderlager/KZ Hinzert

Weitere Information über "Das SS-Sonderlager/KZ-Hinzert 1939-1945"