Eine Landpartie nach Berlin 2005

Nachdem die Pölerter Radsportfreunde 2000 nach Mailand und 2003 nach Bad Wörishofen geradelt waren, hatten sie sich für dieses Jahr die Bundeshauptstadt Berlin als Fernziel ausgesucht. Angeführt von Rainer Kropidlowski, der in Deutschlands größter Stadt aufgewachsen ist, begab man sich am 02.07. daran, nach einjähriger Planung und etlichen Trainingskilometern das Vorhaben in die Tat umzusetzen.
Die weiteren Teammitglieder waren: Karl-Heinz Gauer, Stefan Köhl, Peter Köhl, Udo Lorscheider, Oliver Detemple, Joachim Wagner (Rascheid), Joachim Backes (Primstal), Jörg Pleines (Rüdesheim).

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Der Plan

In 7 Etappen sollten die ca. 800 km in nordöstlicher Richtung bewältigt werden.

Die Strecke

Gleich zu Beginn der 1. Etappe wurde die höchste Erhebung der ganzen Strecke, der Erbeskopf, bezwungen. Dem schönen Naheradweg folgend, der durch Idar-Oberstein, Kirn, Bad Sobernheim, Bad Kreuznach führt,  gelangten die Akteure an die Nahemündung bei Bingen. Als erstes Etappenziel hatten sie sich Kaub am Rhein ausgesucht, welches nach 140 km auf dem Rad und dem Übersetzen mit der Rheinfähre erreicht wurde. Das 2. Etappenziel sollte Wetzlar sein. Voraussetzung war, den hügeligen Taunus zunächst bis Limburg zu durchqueren, um dann am Lahnradweg entlangfahrend, vorbei an Weilburg, nach 125 km in Wetzlar einzutreffen.

Homberg (Efze) lautete das nächste Tagesziel. Aufgrund zahlreicher Steigungen sollte es eine etwas anspruchsvollere Etappe werden. Marburg hatte man als Vormittagsziel anvisiert. Dann ging es mit stetigem Ostkurs weiter mit einer Bergankunft in Amöneburg, über Stadt-Allendorf und Schwalmstadt. Nach 140 km wurde dann Homberg, eine kleine Stadt mit beeindruckendem mittelalterlichen Marktplatz, erreicht.

Immer noch frohen Mutes wurde am nächsten Morgen die 4. Etappe unter die Pedale genommen. Im Tagesverlauf kam die Truppe unter anderem durch Melsungen, Hessisch Lichtenau, Bad Sooden, Heiligenstadt. In Duderstadt, der Hauptstadt der nordhessischen Region Eichsfeld, wurde nach 105 km ein bayerisches Hotel bezogen, in dem eine entsprechend zünftiger Abend verbracht wurde.

Tags darauf näherte man sich respektvoll dem Harz. Doch nur zu Beginn der Durchquerung musste eine 12 km lange Steigung überwunden werden. Nach einer anschließenden längeren Abfahrt und den Hinweisen eines erfahrenen einheimischen Radfahrers gelangten die Pedalritter in das landschaftlich imposante Bodetal. Die letzte längere Steigung der gesamten Tour wurde bewältigt und nach einer rasanten Abfahrt das Städtchen Thale erreicht. In Quedlinburg, dem Tagesziel, gönnten sich die Herrschaften dann eine etwas noblere Unterkunft (4 Sterne). Beeindruckend war hier der Besuch der bezaubernden, mit Fachwerkhäusern gespickten Innenstadt (UNESCO Weltkulturerbe). Die mittlerweile etwas angeschwollenen Oberschenkel hatten an diesem Tag 125 km hinter sich gebracht.

Weiter ging es durch die leider nur in geringem Maße „blühenden Landschaften“ Sachsen-Anhalts. Vorbei an großflächig brachliegenden Ackerflächen und diversen Industrieruinen - teilweise erst nach der Wende errichtet-, den Städten Stassfurt, Calbe und Barby, erreichte man erstmals das Ufer der Elbe. Eine Fähre verhalf hier zur Weiterfahrt nach Belzig, dem letzten Tagesziel vor Berlin, ein attraktives Städtchen, das sich allerdings ziemlich menschenleer darbot. Ein Eindruck, der sich in allen Städten der „neuen Länder“ , die durchfahren wurden, einstellte. Befragte man die Einheimischen nach den Gründen bekam man stets die gleiche Antwort: „Es gibt hier zu wenig Arbeitsplätze, die meisten sind rüber in den Westen oder ins Ausland!“

Nach den 135 km des Vortages (davon 100 km im Regen) standen für die letzte Etappe nur noch 70 km auf dem Programm.

In nordöstlicher Richtung radelnd, Potsdam passierend, erreichte die fröhliche Radlertruppe kurz hinter der Glienicker Brücke, bekannt durch zahlreiche Agentenaustausch-Aktionen,  erstmals das Ortschild von Berlin. Am Wannsee vorbei ging es zum Hotel in unmittelbarer Nähe des Grunewaldes. Das ferne Ziel war erreicht, ohne Unfälle, ohne gravierende technische Probleme oder sonstige unliebsamen Zwischenfälle.

Es schlossen sich zwei erlebnisreiche Tage und Nächte in Berlin an. Diverse Sehenswürdigkeiten (Potsdamer Platz, Holocaust Denkmal, Brandenburger Tor, Reichstag, Alexanderplatz, Museumsinsel, Prenzlauer Berg, Kurfürstendamm etc.) wurden, teilweise mit Fahrrad, aufgesucht. Zum Abschluss schaute sich die Truppe das Treiben zwischen Siegessäule und Brandenburger Tor an. Hier wurde als Ersatz für die abgesagte Loveparade auf einer Strecke von 2 km eine riesige Techno-Partie gefeiert. Die Pölerter Landeier zeigten sich einigermaßen beeindruckt von dem teilweise sehr exzentrischen, skurrilen, bizarren Publikum.

Mit sehr vielen neuen Eindrücken und erlebnisreichen Tagen im Gepäck begaben sich die Herren am darauf folgenden Tag auf den Heimweg (nicht mehr mit dem Fahrrad!).

Berlin - Brandenburger Tor

 

 

 

 

 

 

 

 

 

v.L.n.R. Joachim Backes, Peter Köhl, Oliver Detemple, Udo Lorscheider,

Jörg Pleines, Rainer Kropidlowski, Joachim Wagner, Stefan Köhl