Aus der Pölerter Dorfgeschichte


Wenn die Hunsrückbahn Hermeskeil - Simmern zuerst am Bahnhof Pölert hält, sieht der Reisende neben dem Bahnhof nur noch zwei Häuser stehen und fragt sich verwundert, warum der Zug hier Station machen müsse. Nur der Einheimische weiß, dass das Dorf Pölert noch einen Kilometer weiter versteckt in einer Mulde liegt. Dem Autofahrer, der hinter Höfchen die Bundesstraße Hermeskeil - Trier verlässt, taucht das kleine Bauerndorf, dessen Häuser sich um die Kapelle scharen, erst unmittelbar vor dem Dorfeingang auf. Wie abgeschieden das Hochwalddorf Pölert für Jahrhunderte auch gewesen sein mag, heute hat es durch Bahn- und Busverbindungen den Anschluss an die allgemeine wirtschaftliche und technische Entwicklung gefunden und sich dem Fortschritt auf diesen Gebieten weit geöffnet.

In der vor- und frühgeschichtlichen Zeit führte schon eine Militär- und Handelsstraße über die Pölerter Gemarkung, deren Spuren heute noch deutlich auf der "Heid" zu erkennen sind. Auf dem "Hermesberg", südlich von Pölert, vermutet man die Anlage einer römischen Kultstätte, die dem Hermes, dem Gott des Handels und des Verkehrs, gewidmet war. Funde von Graburnen, verrosteten Schwertern und Eisenbändern bestätigen diese Vermutung. Weiter südlich davon fand 1956 ein Bauer beim Pflügen auf der Flur "Hommrich" ein glatt poliertes Steinbeil mit spitzen Zacken aus grünen Porphyrit, das eindeutig auf den Westkreis, einender jungsteinzeitlichen Kulturkreise, hinweist. Das Dorf selbst dürfte im 11. bis 12. Jahrhundert entstanden sein. Der Name des Ortes Pölert weist, wie alle Orte mit der Endung -rode, -rath, -ert, darauf hin, dass die Gründung des Ortes in die Zeit der großen Waldrodung fällt. Zu der Endsilbe -ert  wurde der Name des Mannes gesetzt, der von dem Grundherrn mit der Rodung beauftragt wurde. Nach Max Müller "Ortsnamen im Regierungsbezirk Trier" hieß er Pollo oder Puolo. Unter der Bezeichnung Polroth wird das Dorf Pölert 1220 im Verzeichnis der Besitztümer des Erzbischofs von Trier amtlich erwähnt. Die mündliche Überlieferung dichtet dem Pollo noch einen Bruder Erich zu, gibt es doch heute noch einen Flurnamen Erichroth. Auch ein kleiner Bach heißt Erichbach, er mündet in den Bruderbach, und beide fließen in die Drohn.

Wie die meisten Hochwalddörfer, so gehörte Pölert im Mittelalter zum Amt Grimburg, Pflege Reinsfeld. Durch diese Zugehörigkeit zum Kurstaat Trier blieb das Dorf in der Reformationszeit katholisch, während die Dörfer jenseits des Bruderbachs protestantisch wurden.

Seit alters her gehörte Pölert als Filiale zur Pfarrei Rascheid. Im Jahre 1707 wurde in Pölert eine Kapelle erbaut und dem hl. Blasius geweiht. 1750 brannte sie ab, wurde aber sofort wieder aufgebaut und 1883 durch eine neue Kapelle ersetzt, die heute noch steht.

Ein bedeutsamer Impuls für die wirtschaftliche Entwicklung, die jahrhundert lang stagnierte, brachte der Bau der Hunsrückbahn Hermeskeil - Simmern im Jahre 1903. Damit war für  Pölert die Verbindung  mit dem großen Wirtschaftsraum Saar geschaffen, und die freiwerdenden Arbeitskräfte der Landwirtschaft konnten als Saarpendler Arbeit und Verdienst finden.

Die Furie der beiden Weltkriege ließ auch Pölert nicht verschont, und besonders der letzte große Krieg forderte einen hohe Blutzoll, kehrten doch von 56 Soldaten 16 nicht mehr in ihr Heimatdorf zurück. Zwei Gehöfte fielen den Bomben zum Opfer, andere wurden schwer beschädigt. Schon in den ersten Nachkriegsjahren begannen die Bewohner Pölerts damit, die Wunden des Krieges zu heilen. Die erste Sorge galt ihrer Kapelle, die während des Krieges ihrer Glocken beraubt wurde. Durch Ablieferung von Altmaterial, Holz und Fett, konnten schon 1948 zwei Glocken gegossen und am 24.10.1948 geweiht werden. Im Jahre 1950 wurde der barocke Altar durch einen modernen Altartisch ersetzt, 1952 erhielt die Kapelle einen geschnitzten Kreuzweg, 1963 wurden Turm und Dach erneuert und 1964 bekam die Kapelle abschließend einen neuen Fußboden, neue Bänke und einen frischen Anstrich. Insgesamt hat die Filialgemeinde Pölert nach dem Krieg über 20.000 DM für ihr Gotteshaus aufgebracht.

Aber auch im kommunalen Bereich ist die Gemeinde mit der Zeit gegangen, So wurde 1956 eine Gefrierfachanlage mit 53 Tiefkühlfächern, deren Gesamtkosten sich auf 20.000 DM beliefen, in Betrieb genommen. Zur Entlastung der  bäuerlichen Hausfrauen  wurde ein Jahr später eine Gemeinschaftswaschanlage eingerichtet, die ebenfalls fast ganz von der Gemeinde finanziert wurde. Auf dem Sektor Straßenbau ist in Pölert nach dem Kriege Beachtliches geleistet worden. Im letzten Jahre wurde die Kanalisation durchgeführt und eine Kläranlage gebaut. Das letzte Bauvorhaben überforderte die Finanzkraft  und konnte nur mit großzügigen Zuschüssen verwirklicht werden.

Wenn Pölert einerseits den Anschluss an die allgemeine wirtschaftliche Entwicklung gefunden hat, so hat sich hier andererseits die allgemeine Umstrukturierung des Dorfes nicht so stark durchsetzen können wie in den übrigen Hochwalddörfern. Der überwiegende Teil der 220 Einwohner ist auch heute noch im Ackerbau beschäftigt und lässt keine Sozialbranche aufkommen.

Die Tradition ist hier noch ein starkes Band, die Mensch und Boden fest verbindet, ohne die Aufgaben der Gegenwart und Zukunft zu vernachlässigen. Im Mittelpunkt des Dorfes steht aber wie eh und je die schmucke Kapelle als sichtbares Zeichen christlicher Gesinnung.