Kapelle "St. Johannes der Täufer" in Hinzert



Zeichnungen  von Pastor Paul Schwarz

Die Kapelle ist eine individuelle Filialkirche.
Die 1854 größtenteils neuerbaute Kapelle wurde 1934
durch die Einbeziehung der angebauten Schule erweitert.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Hieronimus Knödchen, ein Wilderer vor dem Herrn

 

Um 1330 hatte Hinzert schon eine Kapelle und einen eigenen Priester, der zu einer ganz geringen Steuer von fünf Schilling veranlagt war.

Das Vermögen und die Einkünfte der Pfarrkirche waren also äußert gering, weil von ihnen die Steuer berechnet wurde.

Das änderte sich auch in den nächsten Jahrhunderten nicht.

Im Jahre 1757 werden zwei Wiesen - ein halber Morgen und 32 Ruten groß - und zwei Felder von dreiviertel Morgen und 31 Ruten,

die jedoch von der Gemeinde genutzt wurden, als Vermögen angegeben.

Nach einer Notiz im Kirchenregister, die der damalige Pfarrverwalter Valentin Meyer aus Reinsfeld eingetragen hatte,

habe die Gemeinde versprochen, jährlich 20 Albus (1 Albus etwa 8 Weißpfennig) an die Pfarrkirche zu zahlen,

aber 1715 sei diese Pacht bereits zehn Jahre rückständig gewesen, es sei nicht zu ersehen, dass überhaupt jemals etwas gezahlt worden sei!

Der Gedanke an eine schlechte Zahlungsmoral der Gemeinde mag sich hier dem Leser aufdrängen,

aber man beachte das äußerst geringe Vermögen der Kirche, die ja in der Regel noch das meiste und beste Land besaß.

Wie arm mögen dann erst die damaligen Hinzerter Bürger gewesen sein, wenn die Kirche schon so armselig fundiert war.

Im Jahre 1821 sind als Grundeigentum der Kirche angegeben: ein Acker hinter der Kirche, 1 Morgen 80 Ruten, ein Feld von 120 Ruten,

ein weiteres von 31 Ruten und eines von 80 Ruten. Die Einnahmen daraus betrugen 1830 ganze zehn Thaler!
Patronatsherr war das Stift in Pfalzel, das sich im Laufe der Geschichte nicht besonders fürsorglich zeigte.

Nicht immer hatte die Pfarrei Hinzert einen eigenen Pfarrer, offensichtlich war die Pfarrstelle so schlecht fundiert,

dass sie auf Dauer den geistlichen Herren nicht ernähren konnte.

Die Priester von Rascheid und Reinsfeld mussten oft die Verwaltung der kleinen Pfarrei übernehmen.

Interessant und sehr aufschlussreich ist ein Blick in die Kirchenrechnung der Jahre 1782/83, als Hieronimus Knödchen hier wirkte.

Einnahmen von 17 Reichsthalern 31 Albus 5 Pf standen folgenden Ausgaben gegenüber:

 

Für Öl in die Ampel an Christtag, Ostern, Johannistag                                         21 Alb.
Für 1 Maß Wein an Johannis Evangelist                                                                  7 Alb.
Für Pfarrer von Stiftungen, Rechnung Kirchenwäsche                              6 Rth. 18 Alb.
Für Pastor von Pfalzel für Bild des hl. Elogius                                          1 Rth. 18 Alb.
Die Messbuben erhalten                                                                                          18 Alb.
Für Singerwein                                                                                             1 Rth. 18 Alb.
 

Die Rechnung wurde am 29. Juni 1783 im Pfarrhof zu Hinzert angefertigt. Die Ausgaben lagen also höher als die Einnahmen;

um aber einigermaßen über die Runden zu kommen, kürzte man einfach das Einkommen des Pastors.

So zahlte der Rechner im Jahre 1789 an Pfarrer Knödchen nur 4 Rth. 36 Alb. aus.

Dieser Pfarrer steht als Beispiel für Armut, Not und Verzweiflung der Menschen in dieser Zeit.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

           

Hieronimus Knödchen, 1741 in Trier geboren, residierte von 1773 bis 1798 als Pfarrer in Hinzert.

Er war der letzte Priester der selbstständigen Pfarrei.

Zeitlebens kämpfte er mit allen Mitteln bei seinen traurigen Einkommensverhältnissen gegen bittere Not.

Dies erklärt wohl auch seine Schwierigkeiten mit der hohen Obrigkeit.

Seine theologischen Kenntnisse waren offensichtlich so mager wie der Hinzerter Boden, musste er doch öfters ins Curaexamen,

als es damals üblich war. Seine besondere Begabung lag wohl auf einem anderen Gebiet

und er entwickelte Kenntnisse und Fertigkeiten, die mehr nach irdischen Dingen orientiert waren.

Waren es der rauhe, kalte Hochwaldwind oder das ständige schleichende, dumpfe Knurren in der Magengegend

oder wirkte beides zusammen so schöpferisch, dass er einfach die von der einsichtigen Vorsehung geschenkten

Gaben nicht brach liegen lassen konnte?

Daran jedenfalls, dass Hinzert heute nur einen kleinen Wald besitzt, daran trägt er keine Schuld,

obwohl er manchem Bäumchen, bevor es erwachsen sein durfte, den Garaus machte.

Ein Holzfäller in langer, schwarzer Soutane im dunklen Wald fällt kaum auf, sollte man meinen,

doch die hohe Obrigkeit hat bekanntlich die Augen überall. Und was sie nicht sieht, bemerkt der böse Nachbar.
So ging am 6. April 1781 beim Generalvikariat in Trier eine Anzeige des Dechanten Lochen aus Hermeskeil

aufgrund einer Anzeige des Amtsverwalters von Grimburg ein, die ihn verschiedener "Excesse" bezichtigte.

Was daraus geworden ist, konnte nicht festgestellt werden, man übte wohl Nachsicht mit dem reuigen Sünder.

Aber der geistliche Herr fror wohl immer noch in seinem kalten Pfarrhaus, und draußen vor der Tür wuchsen die besten Eichen.

So kam es, wie es kommen musste. Einige Zeit später wendet sich die kurfürstliche Regierung an das Generalvikariat

und verklagte den Herrn Knödchen des Forstfrevels.
Er wird als ein "angewohnter Forstfreweler" bezeichnet, der sich unter dem Vorwand einer

"unzureichenden Kompetenz bis hierhin ungestört mit dem Holzrauben abgegeben" habe.

Das Generalvikariat soll feststellen, wieviel Holz dem Pfarrer zustehe, wenn es nicht reiche, soll das Stift Pfalzel ihm mehr Holz zuteilen,

dem Pfarrer Knödchen aber "seinen bisherigen Unfug gemessenst verheben und für die Zukunft untersagen".
Die Kellerei Grimburg soll ihn weiterhin genau beobachten.

Am 25.Mai 1789 nimmt Knödchen schriftlich zu den Vorwürfen Stellung.

Dieses Schreiben ist ein einziger Aufschrei gegen die herrschende Not, die sicherlich nicht nur die Geistlichen auf den kleinen Dörfern bedrückte.

Wie arm müssen dann erst die großen Familien gewesen sein! Knödchen räumte einige Forstfrevel ein und beklagte sich dann bitter.

Er sei durch die nackte Not in den Wald getrieben worden, denn ohne Holz könne er nicht sein, die Gemeinde habe keins,

der kurfürstliche Jäger verkaufe keins und die Zuteilung sei zum Leben zu wenig und zum Sterben zu viel. Er bitte, um eine größere Zuteilung.

Den vorgeworfenen Jagdfrevel allerdings weist er weit von sich. Er gehe wohl jagen, aber auf Rechnung des Stiftes Pfalzel.

Dennoch blieb die Beschuldigung "wegen schlöppsetzen zum Hasenfangen" bestehen, die Hofkammer wurde angewiesen,

ihm gegen "billige Zahlung" das nötige Brandholz abzugeben.

Mittlerweile bildete sich in der verschwiegenen Ecke um Hinzert unter der fachmännischen Führung von Knödchen

eine lustige Jagdgesellschaft von geweihten  Häuptern, die den armen Viechern in Wald und Wiese nachstellten.

Was werden die Häslein, Rehe und Schweine gerannt sein und Schweiß und Losung hinter sich gelassen haben,

wenn sie nur einen der Geistlichen aus der näheren Umgebung von weitem gesehen haben.

Jedenfalls starben viele muntere Waldbewohner damals unter geistlichem Beistand

und sie dürften getrost sein, am Jüngsten Tage zum verklärten Leib der himmlischen Jäger beigesteuert zu haben.

Die waidmännische Leidenschaft und die billige Art der Selbstversorgung des Herrn Knödchen hatte wohl Schule gemacht,

denn die geistlichen Mitbrüder von Beuren, Bescheid und Reinsfeld sowie der Vikar von Lorscheid schlossen sich dem munteren Treiben an.

Am 3. Oktober 1791 wurde gegen diese Herren im Generalvikariat wegen Wilderei verhandelt.

Die gut dotierten Geistlichen am erzbischöflichen Hofe werden bei dieser Verhandlung

gegen die Wilderer von Gottes Gnaden wohl ergötzliche Stunden erlebt haben.

Wie die Eintragungen im Taufbuch zeigen, blieb Pfarrer Knödchen bis 1798 auf seiner Stelle in Hinzert, mal als streitbarer Seelsorger,

mal als heimlicher Holzfäller oder als stiller Wilderer vor dem Herrn.

Die Volksmär erzählt, er sei auf dem Wege von Reinsfeld kommend im nahen Sumpf umgekommen,

doch dem war nicht so. Er floh vor den Jakobinern und verließ sein angestammtes Jagdrevier mit unbekanntem Ziel.

Vielleicht wird er eine andere Region mit den in Hinzert erworbenen waidmännischen Kenntnissen beehrt haben.

 Quellen: Edmund Schömer, Amt und Burg Grimburg, Pastor Paul Schwarz, private Aufzeichnungen.


Gold- und Silbermünzen schwingen in den Glocken von Hinzert 

Die Kapelle St. Johannes nach der Renovierung

im Jahre 2006

Sankt Johnnes der Täufer

Katholische Filialkirche

Schlichter, gewesteter und gerade geschlossner Giebelbau.

Der am Außenbau als Chor erscheinende Bauteil an der Westseite wurde als Sakristei angebaut.

An der Westseite des Saalbaus ein verschieferter viereckiger Pyramidenhelm.

Den Putzbau charakterisieren schlichte rundbogige Fenster und ein rundbogiges Portal an der ungegliederten Giebelfront.

Die Gruppierung der Fenster, Mauerwerksversprünge und Wandstreben im Innern lässt zwei Teilbauten erkennen.

Der westliche Teil ist die alte Kapelle mit ehemals an der Ostseite gelegenem Chor.

Dieser 1810 vergrößerte und 1854 durch einen Teilneubau ersetzte Kirche war 1834 ein Schulsaal an der Westseite angebaut worden.

Der seit 1912 als Sakristei genutzte Schulsaal wurde 1934 mit der Kapelle vereinigt.

Eine Seltenheit stellen die beiden spätgotischen Glocken dar.

Hinzert besitzt zwei alte Glocken, die aus dem Mittelalter stammen und die gleiche Inschrift tragen:

"Den wahren Gott lobe ich, den Satan vertreibe ich, die Christen rufe ich".

Diese Inschrift findet sich auch auf einer Glocke in Rascheid,  die als Jahreszahl 1422 trägt.

Es ist anzunehmen, dass die Hinzerter Glocken vom demselben Glockengießer stammen und demnach ebenfalls um 1422 gegossen wurden.

Man erzählt sich folgende Sage:

Als die Glocken am Tal vor dem Dorf gegossen wurden, brachte Elisabeth von Freschdorf

eine Schürze voll Silber- und Goldmünzen und wollte sie in die siedende Glockenspeise schütten.

Die Gießer baten, das Geld doch besser zur Zahlung der Glocken zu verwenden,

doch die vornehme Dame bestand auf ihrem Wunsch und schüttete die vielen Münzen aus dem edlem Metall in die Glockenspeise.

Daher, so sagt man, geben die Glocken einen besonderen "silberhellen" Klang.

Heute noch schwingen die Gold- und Silbermünzen der Edelfrau Elisabeth von Freschdorf im Turm der kleinen Kirche von Hinzert.

Die mit Gold und Silber veredelten Glocken haben viele Kriege überstanden, auch die beiden letzten.

Quelle: Datenbank der Kulturgüter in der Region Trier

Katholische Filialkirche St. Johannes d. T.

Schlichter, gewesteter und gerade geschlossener Giebelbau.

Der am Außenbau als Chor erscheinende Bauteil an der Westseite wurde als Sakristei angebaut.

An der Westseite des Saalbaus ein findet sich ein verschieferter viereckiger Dachreiter mit Pyramidenhelm.

Den Putzbau charakterisieren schlichte rundbogige Fenster und ein rundbogiges Portal an der ungegliederten Giebelfront.

Die Gruppierung der Fenster, Mauerwerksvorsprünge und Wandstreben im Innern lässt zwei Teilbauten erkennen.

Der westliche Teil ist die alte Kapelle mit ehemals an der Ostseite gelegenem Chor.

Dieser 1810 vergrößerten und 1854 durch einen Teilneubau ersetzten Kirche war 1834 ein Schulsaal an der Westseite angebaut worden.

Der seit 1912 als Sakristei genutzte Schulsaal wurde 1934 mit der Kapelle vereinigt.

Der lang gestreckte Raum ist schlicht, die verbreiterte Decke ist mit einer Schräge in den Dachraum gezogen.

Der Holzaltar mit voluminösem Tabernakelaufbau ist eine stilreine klassizistische Arbeit vom Ende des 18. Jh.

alte Ausstattungsstücke sind die geschnitzten Kommunionbankgitter des 19. Jh. und ein Kruzifix an der Eingangsseite.

Eine Seltenheit stellen die beiden spätgotischen Glocken dar.

Der bescheidene und individuelle Kirchenbau ist das Hauptzeugnis des 1330 mit seiner Kirche genannten Ortes.

Zugleich dokumentiert die Kirche das hier gewachsene Dorfzentrum.

Vom alten Kirchhof künden noch einige jüngere Grabsteine und eine Figurengruppe der hl. Familie.

Quelle: http://region-trier.cms.rdts.de


    "Ein großartiges Gemeinschaftswerk"
        15.11.2005

      HINZERT-PÖLERT. Darauf können die Hinzerter zurecht stolz sein.

      Sie haben es geschafft, dass im wahrsten Sinne des Wortes ihre Kirche im Dorf bleibt

      und die baufällige Johanneskapelle restauriert werden konnte.
      Von unserem Redakteur
      AXEL MUNSTEINER

     Die große Feier steht zwar erst noch bevor, ein denkwürdiges und freudiges Ereignis

     haben die Hinzerter aber bereits vor einer Woche erlebt.

     Am 26. November wird im Ort die Johanneskapelle nach mehrmonatiger Bauzeit offiziell wiedereröffnet.

     Doch für einen hohen Besuch hatten die Hinzerter bereits vor diesem Termin die Türen der frisch renovierten Kirche geöffnet

     und dort den ersten Gottesdienst seit Frühjahr gefeiert.

 

     Auf seiner Visitationsreise hatte Bischof Reinhard Marx eine feierliche Vesper in der voll besetzten Johanneskapelle abgehalten.

     "Sie haben hier ein großes Gemeinschaftswerk in Gang gebracht", lobte der Bischof die Hinzerter.

 

     Denn – so viel ist sicher – ohne ihr Engagement wäre es nicht möglich gewesen, die Kirche im Dorf zu lassen.

     Das betont auch der Beurener Pastor Ingo Flach, zu dessen Pfarrei die Hinzerter Filialkirche gehört.

 

     Vor drei Jahren trat das ganze Ausmaß der Schäden an der Kirche offen zutage.

     Durch das undichte Dach regnete es in das Gotteshaus hinein.

     Diese eindringende Feuchtigkeit zog die Zwischendecke so stark in Mitleidenschaft,

     dass diese akut einsturzgefährdet war und eine Notsicherung vorgenommen werden musste.

     "Wir haben damals im Verwaltungsrat viele Alternativen diskutiert. Dazu zählte auch die Schließung", sagt Flach.

 

     Doch es sollte anders kommen: "Eine Kirche gehört ins Dorf", lautete die Devise vieler Hinzerter,

     die im November 2003 einen Förderverein zur Rettung der baufälligen Johanneskapelle gründeten,

     dem inzwischen 47 Mitglieder angehören.

 

     "Als zum ersten Mal die ungefähren Baukosten ermittelt wurden, schien es aber so, als würde die Sanierung in weite Ferne rücken",

     erinnert sich der Fördervereins-Vorsitzende Mario Leiber.

 

     Rund 130 000 Euro würden notwendig sein, um die Kirche wieder auf Vordermann zu bringen –

     das war die ernüchternde Nachricht für den Förderverein.

     Das Bistum erklärte sich zwar bereit, 60 Prozent der Kosten übernehmen.

     Das restliche Geld würden die Hinzerter aber selbst aufbringen müssen – so lautete die unmissverständliche Botschaft aus Trier.

 

     Doch, was viele nicht für möglich gehalten hätten:

     Die Hinzerter stellten einen lückenlosen Finanzierungsplan auf und sammelten genug Geld für eine erfolgreiche

     "Rettungs-Aktion" der Johanneskapelle. "Natürlich sind wir sehr stolz darauf, dass wir das gepackt haben.

     Und das auch noch in so kurzer Zeit", sagt Vorstandsmitglied Edgar Spurk stellvertretend für seine vielen Mitstreiter im Förderverein.

 

     Geld in die Kasse brachten nicht nur mehrere Veranstaltungen des Fördervereins wie Frühlings- und Weihnachtsbasar oder ein Kartoffelfest.

     Auch die Kirmesgemeinschaft, die Ortsvereine und die Jagdgenossenschaft spendeten für die gute Sache.

     Zudem gab es Sonderkollekten für den Erhalt der Kapelle. "Insgesamt sind so fast 40 000 Euro zusammen gekommen", rechnet Leiber vor.

     Schließlich steuerte auch die Ortsgemeinde 10 000 Euro für das Sanierungs-Projekt bei.

     Doch das Engagement der Hinzerter beschränkte sich nicht nur aufs Geldsammeln.

     Als es im Frühjahr an die Arbeit ging, packten viele Dorfbewohner tatkräftig mit an.

     "Wir haben sehr viel in Eigenleistung gemacht. Die Hilfsbereitschaft war enorm. Da gab es kein Wenn oder Aber", betont Leiber.

     Auch der Bischof war schon zu Besuch

     Jetzt erstrahlt die Johanneskapelle nicht nur innen wieder in neuem Glanz. Auch die Fassade der Filialkirche erhielt einen neuen Anstrich.

     "Es ist ein schönes, festliches Haus geworden, das dazu einlädt, darin zusammenzukommen", sagte Bischof Marx bei seinem Besuch.

 

     Das sehen die Vorstands-Mitglieder des Fördervereins genau so. Besonders wichtig sei für die Hinzerter aber in erster Linie die Tatsache,

     dass "wir jetzt endlich wieder im Ort Gottesdienst feiern können", betont Leiber.

     Es sei in der Vergangenheit für die Hinzerter schon eine große Umstellung gewesen,

     wenn beispielsweise bei Sterbefällen die Trauergesellschaft zuerst zum Gottesdienst in die Beurener Kirche fahren musste.

 

    Bei aller Freude über den erfolgreichen Abschluss ihrer "Rettungs-Aktion"

    weckt jedoch gerade dieser Gedanke bei den Verantwortlichen des Fördervereins schmerzliche Erinnerungen.

    Vor einigen Wochen mussten sie den Mit-Initiator und Kassierer des Vereins zu Grabe tragen.

   "Er wäre sicher stolz gewesen, wenn er das noch erlebt hätte",

   stellen sie deshalb das Andenken an Bernhard Backes im Gespräch mit dem TV besonders deutlich heraus.

 


Mittelalterliche Glocken in Hinzert

 
 

 

 

 

 

 

Mittelalterliche Glocken in Hinzert
Viele wissen von den mittelalterlichen Glocken im Turm der vor wenigen Jahren

mit beispielhaften Eigenleistungen optisch

und technisch hervorragend renovierten Filialkirche "St. Johannes Baptista" in Hinzert.

Gesehen haben sie die Wenigsten. Es ist die Rede von einem Doppelgeläut,

dessen Alter in Fachkreisen auf knapp 600 Jahre geschätzt wird.


Die Glocken weisen weder den Glockengießer noch einen Hinweis auf das Gießerjahr aus.

Am oberen Glockenrand finden wir auf beiden Glocken die fast identische Umschrift

"Lauda deum verum santhanam fugo convoco clerum", "ich lobe den wahren Gott,

ich vertreibe den Satan, versammle den Klerus", vgl. Kurtrierisches Jahrbuch 1993, S. 80 ff.

In "Geschichte der Pfarrei Beuren", Rupp/Schwarz, 1962, werden die Inschriften geringfügig abweichend wie folgt interpretiert:

"Ich lobe den wahren Gott, verscheuche den Satan, rufe zusammen den Klerus bzw. das auserwählte Volk".
Der Glockenguss wird der Trierer Hexameterwerkstatt, 1410 - 1460, zugerechnet,

wobei als Herstellungsjahr der Hinzerter Glocken 1430 angenommen wird. Die unteren Außendurchmesser betragen 64 bzw. 50 cm.

Es ist das älteste gleichaltrige Glockenpaar aus dieser Zeit im Hochwaldraum. In der Pfarrkirche Rascheid befinden sich zwei Glocken,

die den Jahren 1412 und 1425 zurechnet werden, in Reinsfeld finden wir eine Pestglocke aus dem Jahre 1363

und in Geisfeld eine aus der Zeit um 1420 sowie eine weitere aus dem Jahr 1561 von Glockengießer Leonhard Wolf in Trier,

vgl. RuH Nr. 34, 24.08.1989, S. 10.
Zu den Glocken von Hinzert berichtet die Legende: "Als die Glocken in dem Tale vor dem Dorfe gegossen wurden,

brachte Frau Elisabeth von Freisdorf eine Schürze voll Silber- und Goldmünzen herbei und wollte sie in die siedende Glockenspeise schütten.

Die Gießer baten, das Geld zur Zahlung der Glocken zu benutzen. Doch sie warf die Münzen in die Masse.

Daher geben die Glocken einen "silberhellen" Klang".

Überzeugen vom wohltönenden Klang kann man sich in Hinzert täglich beim Morgen- und Abendläuten.
Da keine historischen Fotos von dem sehr gut erhaltenen wertvollen Glockengeläut beschafft werden konnten,

hat der stellvertretende Verwaltungsratsvorsitzende der Pfarrei Beuren, Mario Leiber, Hinzert,

anlässlich einer Turminspektion dies für Zwecke einer Dokumentation der Geschichte der Pfarrei Beuren,

zu der die Filialen Hinzert und Prosterath gehören, und für die Öffentlichkeit nachgeholt.

 

Text: Helmut Schuh, Horath;
Fotos: Mario Leiber, Hinzert


12.12.2016