Wo's Dörflein traut zu Ende geht...

Eine familiengeschichtliche Mühlenbetrachtung

Helmut Schuh

 

,, Wo 's Dörflein traut zu Ende gehl, wo 's Mühlenrad am Bach sich dreht, da steht im duft 'gen Blütenstrauß mein liebes altes Elternhaus."

Es sind die Anfangsverse eines der mittleren und älteren Generation unserer Zeit noch vertrautes und wohl­klingendes Volksliedes aus vergangenen Tagen. Kein Gewerbe oder Berufsstand in den Tälern sanft rauschender, von Erlen umsäumter Bäche ist mit soviel Romantik umwoben, wie der eines Müllers als Betreiber einer Mahlmühle.

Das reale Leben in der Mühle hatte mit der Mühlenromantik nur wenig gemeinsam. Das Schleppen der Säcke und der mit Mehlstaub belastete Mühlenbetrieb erschwerten das Arbeitsleben des Müllers. Wasser und Talnebel belasteten gesundheitlich, führten zu Gicht und Rheuma, und der Weg zur entfernten Volksschule in den benachbarten Orten war für die Mühlenkinder eine Herausforderung. Selbst die Neugeborenen mussten im Winter bei Eis und Schnee einen oder wenige Tage nach der Geburt zum zuständigen Pfarrer in die kalte Pfarrkirche, um das Sakrament der Taufe zu empfangen. Der Taufvorgang war damals eilbedürftig. Es hätte ja sein können, dass der Täufling wenige Tage nach der Geburt, behaftet mit der „Erbsünde", so die weit verbreitete religiöse Vorstellung, gestorben wäre. Die Verbindungen zur bürgerlichen Außenwelt erfolgten für die meisten Familienbewohner durch den Pflichtbesuch des sonntäglichen Gottes­dienstes und für die Kinder durch den Schulbesuch. Der Kindersegen war teils reichlich, was aber auch in vielen Bauernfamilien nicht unüblich war.

Das Müllergewerbe verschaffte jahrhundertelang mit seinen Erträgen dem Mühlenbeständer und seiner Familie durchweg ein gesichertes Einkommen, bis mit der Neuordnung des Mühlengewerbes und dem Rückgang der Kleinparzellierten familiär geprägten Landwirtschaft in unseren Dörfern mit dem Verkauf der Wasser- und Mühlenrechte in den 1950/60-ger Jahren das große Mühlen­sterben begann. Bis dahin waren die Mühlen für die Landwirtschaft betreibenden Familienbetriebe ein unverzichtbares Element der ländlichen Infrastruktur. Zum Teil wurden die Mühlengebäude in Ferienhäuser. Zweitwohnsitze für Stadtbewohner oder auch zu Restaurants und Gaststätten umgewandelt, soweit sie nicht dem Verfall preisgegeben sind.

In „Burg und Amt Grimburg'', Herausgeber: Förderverein Burg Grimburg e.V., Hermeskeil 1984, hat Edmund Schömer von Mühlen im Amt Grimburg berichtet und die Inhaberfolge soweit dargestellt, als Dokumente in den Archiven auffindbar waren. Interessante Ausführungen enthält das Heimatbuch der Gemeinde Beuren/Hochwald, Auflage 1988, unter dem Kapitel „Die kurfürstli­che Zeit". S. 53, 67 - 70, von Klaus Gertreis, zu der probsteiischen Bannmühle im Grenderichbach, Gemarkung Prosterath. Als eine heimatgeschichtlich wissenschaftliche Aufarbeitung von hohem Rang wird an dieser Stelle auf die Arbeit von Hannelore Reber mit dem Band „Das Rad an meines Vaters Mühle", Privatdruck 2002, 611 S. hingewiesen.

Auf der Grundlage der neueren Familienforschung werden nachfolgend die

Pflipps- oder auch Philipps-Mühle, bekannt als „Müllermatz- oder Thielen-Mühle", die Bruderbach-Mühle, Brüdersmühle oder Pölerter-Mühle, im Volksmund „Jäbches-Mühle", gelegen auf der Pölerter Gemarkung im Bereich des Zusammenflusses von Liebenbach und Bruderbach, und die mit erheblichen Auseinandersetzungen zwischen der Bürgerschaft von Beuren und dem Probst von St. Paulin .behafteten ehemaligen Bannmühle im Grenderichbachtal bei Beuren/Prosterath aufgearbeitet. Die längst verfallene Bannmühle wird deshalb in die Betrachtung einbezogen, weil sie im 18. Jahrhundert eine familiäre Verbindung zur Pflipps-Mühle aufweist und sie das Elternhaus eines Mitglieds der Schinderhannesbande war.

Bei den Geburtsdaten im 18. Jahrhundert kann es sich auch um Taufdaten handeln, soweit sie aus den Kirchenbüchern stammen. Geburtsdaten und Taufdaten Hegen oft nah beieinander, weil das Sakrament der Taufe kurze Zeit nach der Geburt durch den zuständigen Pfarrer gespendet wurde.

 

 

 

Die Pflipps-Mühle

Nach der Quellenlage lassen sich die Fa­milienstämme Porn, Lorscheider und Thielen in ununterbrochener Reihenfolge als Betreiber der Pflipps-Mühle ausmachen.

Als der am 07.04.1754 geborene Nikolaus. Zweitältester Sohn des Johann Lorscheider und der Susanna Breit aus Reinsfeld, von Stand Ackerer und Müller, am 06.02.1780 in der Pfarrkirche Sankt Paulinus in Beuren die Müllerin Anna Maria Marx aus Kell heiratete und beide später ihren Wohnsitz auf der Pflipps- oder auch Pflipps-Mühle nahmen, hatte diese Mühle schon eine bewegte Geschichte hinter sich.

Bereits 1589 wird sie mit "Mühle auf der .pflip', Schmidt Peter (Mühle liegt auf dem Pölerter Bann)" genannt. Zehn Jahre nach Beendigung des Dreißigjährigen Krieges, so ist in den Annalen des kurfürstlichen Amtes Grimburg im Jahr 1658 festgehalten, musste ein Schmidts Peter für eine Mühle auf der Pflippen eine Abgabe von 12 Albus und 2 Kapaunen (Kapaunen = Naturalabgabe) leisten. Die Betreiber dieser Mühle hatten also die Schrecknisse des längsten Krieges in der Deutschen Geschichte miterlebt. 1755 wird von einer verfallenen Mühle auf der Flipp berichtet und 1790 zahlte ein Matthias Ludwig als Erbe des Peter Lorscheider für die verfallene Mühle auf der Pflipp eine Abgabe von 12 Albus. Zur gleichen Zeit will ein Niclas Porn das Mühlenrecht kaufen und oberhalb seiner Mühle eine Ölmühle bauen. Daraus ist nichts geworden. Vor erneutem Übergang der Mühle auf die Lorscheiders wurde sie längere Zeit von diesem Nikolaus Porn bewirtschaftet. Diesem geben wir den Namen Nikolaus Porn II. Nikolaus Porn II wurde am 16.03.1724 als Sohn des Nikolaus Porn I aus Kinheim/Mosel und der Eva Gerhard aus Rachtig/Mosel geboren. Er heiratete am 27.06.1758 in Beuren die Anna Maria Schneider, Tochter des Schäfers Peter Schneider und der Appolonia Hupperich. Die Eheleute Porn-Gerhard, Eltern des vorgenannten Nikolaus Porn-Schneider (Porn II), kamen zwischen 1713 und 1722 von der Mosel in den Bereich

Beuren - Rascheid. Die Zeitspanne der Über­siedlung ergibt sich aus der Tatsache, dass ihr Zweitältester Sohn Johann Peter noch in Kinne im/Mosel geboren wurde und die Tochter Maria mit Geburtsdatum 22.05.1722 im Kirchenbuch Rascheid vermerkt ist. Im Jahre 1726 war die probsteiische Mühle im Grenderichtal einem Müller Porren (Porn) für 20 Jahre vergeben worden. Es ist naheliegend, dass es sich dabei um den Nikolaus Porn I - Gerhard gehandelt hat, weil dessen jüngster Sohn Johann zwei Jahre danach, 1728 seinen ersten Eintrag im Kirchen­buch Beuren erfahren hat. Bekannt ist, dass diese Familie insgesamt fünf Kinder hatte. Nikolaus II wurde Müller auf der Pflipps-Mühle. Der jüngste Sohn mit Namen Johann Adam ist am 01.06.1728 in Beuren geboren bzw. getauft worden. Er heiratete eine Gertrud Jungblut, wurde Müller auf einer Mühle in Wenigerath und ist am 28.04.1764 dort verstorben. Nach Nikolaus Porn II folgte dessen jüngstes Kind Michael, geb. 02.01.1768 als Mühlenbewirtschafter. Dieser heirate­te eine Maria Jung/Junck aus Beuren und wird als Müller auf der Pflipps- und Bruderbacher- Mühle genannt. Zwei Kinder aus dieser Verbindung, Johann, * 26.06.1796 + 25.05.1799, und Michael,

* 06.05.1799, kamen noch 1796 und 1799 auf der Pflipps-Mühle zur Welt. Das dritte Kind wird am 06.05.1806 auf der Bruderbach-Mühle geboren, woraus zu schließen ist, dass die Pflippsmühle etwa 1805 wieder in die Hände der Lorscheiders gelangte.

Bestätigt wird dies auch durch den Heiratsakt der Eheleute Michael Lorscheider (genannt "Lange Michel") und Angela Massmann. Die standesamtliche Trauung erfolgte am 06.01.1806 um 9.00 Uhr, als erster Heiratsakt des Jahres 1806 (Nr. 1. Acte de Mariage) vor dem Bür­germeister der Gemeinde Beuren. Die Urkunde ist in Französisch verfasst. Als Wohnorte des Michel Lorscheider und seiner Eltern wird „Feiert", also Pölert angegeben. Bei Vater Nikolaus und Sohn Michael finden wir als Berufsbezeichnung Müller. Als ,,Le Maire de Beuren" (Bürgermeister von Beuren) findet sich handschriftlich die Unterschrift „Klein".

Michael Lorscheider bleibt aber nicht als Müller auf der Mühle am Zusammenfluss von Liebenbach und Bruderbach, sondern geht nach der Geburt seines Sohnes Nikolaus, geb. 17.02.1806, nach Beuren und wird sesshaft im "Langemichelshaus", früher Haus Nr. 3, heute Hauptstraße l I. Der Ehe mit Angela entstammen 12 Kinder, von denen zwei frühzeitig verstorben sind. Sein jüngster Bruder, Bernhard, geb. 29.7.1795, übernimmt die Pflipps-Mühle und heiratet am 23.1.1826 eine Maria Jung, * 30.10.1803 aus Hentern. Bernhard Lorscheter ist bereits zwei Jahre nach seiner Eheschließung im Alter von nur 33 Jahren verstorben. Das Ehepaar hatte die Söhne Peter,

* 21.10.1826, + 4.3.1877 und Nikolaus, * 5.5.1828. verstorben mit sieben Monate am 22.12.1828. Der Vater hat seinen 2. Sohn nur 6 Tage überlebt. Es gab also traurige Weihnachtsfeiertage im Jahr 1828 im Haus Lorschetter /Lorscheider auf der Pflipps-Mühle. Er war der letzte Mül­ler mit Namen Lorscheider auf dieser Mühle. Der älteste Sohn Peter wurde als weichender Erbe Müller auf der Bruderbach-Mühle, wo er am 4.3.1877 verstorben ist.

Maria Lorscheter (Lorscheider) geb. Jung, heiratete am 30.11.1829 den Johann Thielen. Er war der Sohn des Josef Thielen (* 14.10.1778 + 08.03.1832) und der Susanne Schneider +01.05.1812 aus Losheim. Damit verbindet sich die Pflipps-Mühle mit dem Namen der Familie Thielen als Mühlenbetrieb für knapp 130 Jahre. Aus der zweiten. Ehe ent­stammen die Kinder Josef (1,9.1830 + 27. 4.1890) und Eva (* 25. 7.1833). Josef Thielen heiratete am 27. 2.1865 die Maria Schäfer (* 2. 11. 1843 + 14.6.1883) aus Losheim. Er wurde nach seinen Eltern Mühlenbetreiber. Der Älteste aus dieser Ehe, der insgesamt vier Kinder entstammen, erhält den Namen Matthias Josef, geb. am 7.4.1869, heiratet am 28.1.1870 Helene Lorscheider aus Rascheid. Er ist der Namensgeber der im Volksmund genannten „Müllermatz-Mühle''. Von ins­gesamt sieben Kindern der Familie Thielen-Lorscheider/Jung heiratet der Zweitälteste Sohn Matthias (*17.8.1998) Pau­lina Alt aus Rascheid. Beide übernehmen die Mühle und sind mit ihren fünf Kindern Hubert, Johanna, Hedwig, Marianne und Ferdinand die letzte Müllergenerati­on auf der Pflipps-Mühle, bzw. Müllermatz- oder Thielen-Mühle genannt. Der Sohn Hubert lernte noch das Müllerhandwerk und belieferte die Kunden in Rascheid, Pölert und Beuren. Hubert nahm den Wohnsitz mit seiner Familie in Rascheid. Die Tochter Marianne bekam das elterliche Mühlenanwesen. Vor einigen Jahren ging es an die Arztfamilie Christoph Scholz aus Beuren/Hochwald, die es fein herausgeputzt hat. Ein riesiges Wasserrad kündet noch weithin sichtbar vom Vorhandensein einer ehemaligen Mühle am Zusammenschluss von Liebenbach und Bruderbach.

Die Bruderbachmühle und ihre Bewohner

Nach Übernahme der Pflipps-Mühle durch die Familie Nikolaus Lorscheider und Anna Maria geb. Marx um etwa 1805/1806 übernahm die Müllerfamilie Michael Porn, Sohn von Nikolaus Porn II den Betrieb der Bruderbach-Mühle, auch Brüdersmühle genannt. Michael Porn wird als Müller auf der Mühle „Pflipps" (Pflipp) und Brudersbacher-Mühle genannt. Dort residierte bereits vorher ein Paul Porn, der 1802 in Salmrohr verstor­ben ist. Wie lange die Familie Michael Porn in der Bruderbach-Mühle residierte konnte durch den Verfasser bisher nicht ermittelt werden. Nach der Heirat des Peter Lorscheider (*21.10.1826), Erstgeborener des früh verstorbenen Bernhard Lorscheider, mit der Johanna Kiefer * 27.10.1825 aus Losheim am 23.10.1851 wird diese Familie den Mühlenbetrieb übernommen haben. Eine Mitbewirtschaftung durch den Mühlenbetreiber der Pflipps-Mühle, Johann Thielen, in der Zeit zwischen Michael Porn und Peter Lorscheider ist wahrscheinlich, da eine familiäre Verbindung zwischen beiden Mühlen bis zur Übernahme Bruderbach-Mühle durch die Familie Jakob Hemmes bestanden hat. Peter Lorscheiders Ehen waren mit Kindern reich gesegnet. Der ersten Ehe mit Johanna Kiefer entstammen in den Jahren 1852 bis 1860 sieben Kinder, von denen eines im Alter von 1 1/2 Jahren verstarb. Kurze Zeit nach Geburt von Josef (*4.10.1860), das letzte Kind aus erster Ehe. verstarb die Mutter am 26.10.1860. Der Frühwitwer und Vater von sechs Kindern im Alter zwischen weniger als einem Jahr und acht Jahren heiratete in 2. Ehe am 15.5.1861 die Susanne Langenfeld (*14.2.1832)

von der Buweiler Mühle. Sie schenkte weiteren sechs Kindern in der Zeit von 1862 bis 1870 das Leben. Zusammen mit den Kindern aus der 1. Ehe und den beiden Müllersleuten hatte der Mühlenbetrieb insgesamt 14 Personen zu ernähren. Des Elends nicht genug, verstarb knapp drei Jahre nach der Geburt des jüngsten Kindes aus 2. Ehe am 20.7.1873 die Mutter im 12. Ehejahr. Inzwischen war am 20.6.1867 auch die Tochter Eva aus 1. Ehe im Alter von 10 Jahren verstorben. Schließlich verstarb im Alter von etwa 50 Jahren der Familienvater. Anna Maria, das jüngste Kind aus 2. Ehe war zu diesem Zeitpunkt 7 Jahre alt. Es ist also anzunehmen, dass Not und Elend auf der Bruderbacher-Mühle nach diesen Schicksalsschlägen groß waren und noch größer gewesen wären, wenn die Familie Thielen von der Pflipps-Mühle mit schützender Hand nicht zur Verfügung gestanden hätte. Mühlenbetreiber Josef Thielen (* l .9.1830 + 27.4.1890) war ja ein

Halbbruder von Bernhard Lorscheider und nicht unvermögend. Es ist auch keines von Bernhards Kindern auf der Mühle sesshaft geblieben. Sie heirateten und verzogen in die nähere und weitere Um­gebung. Sohn Josef zog es mit seiner Familie nach Springfield/USA. Er besuchte 1905 seine Heimat und errichtete auf dem Gemarkungsteil „Ölberg" das Auswandererkreuz. Es wurde von der Müllerfamilie Thielen gepflegt, instand gehalten und 1970 erneuert.

Etwa zwei Jahre nach dem Tod des Bernhard Lorscheider ging die Bruderbach-Mühle auf die Familie Jakob Hemmes über. Als Übergangsjahr ist das Jahr 1879 anzunehmen, weil Jakob Hemmes (* 2.1.1854) am 21.2.1879 die Anna-Katharina Schiffmann heiratete und am 1.12.1879 das erste Kind mit Namen Margarete in der Pölerter Mühle das Licht der Welt erblickte. Jakob Hemmes kam aus Hinzert. Er war der Sohn des Johann Hemmes und der Margarethe geb. Treitz. Mit Jakob Hemmes bekam die Bruderbach-Mühle den volkstümlichen Namen „Jäbches-Mühle". Seiner Ehe mit Anna-Katharina Schiffmann entstammen insgesamt sieben Kinder. Alle Söhne, Christian, Matthias und Adam, erlernten das Müllerhandwerk.

Sohn Christian, heiratete 1919 die Maria Felicitas Schweickhardt, eine junge Frau, die er als Soldat in Straßburg kennen lernte. Sie übernahmen den Mühlenbetrieb am Bruderbach. Fünf Kinder mit Namen Ida, Felicitas, Otto, Blanka und Karl wurden ihnen geboren. Das Müllerehepaar war äußerst gastfreundlich.

Die Kundschaft der Mühle war vornehmlich in Hinzert und Beuren zu finden.

Matthias Hemmes heiratete 1922 die Maria Jakoby aus Bescheid. Die Eheleute pachteten dort die Gemeindemühle, die später als Fey's-Mühle bekannt wurde. Eine Mühlenbäckerei hat seit mehr als drei Jahrzehnten den Mühlenbetrieb abgelöst. Adam Hemmes (*30.4.1890) wur­de Müller in Überherrn/Saarland.

Die Müllersleute Christian und Felicitas Hemmes-Schweickhardt verstarben im Alter von 60 Jahren 1941 bzw. 1949. Bereits vor dem Tod der Mutter hatte der

Sohn Otto in jungen Jahren die Aufgabe seines Vaters übernehmen müssen. Mit Eise Jakobs von der Hermeskeiler Mühle schloss er den Bund der Ehe. Nach dem Verkauf der Bruderbach-Mühle an eine Unternehmerfamilie aus dem Ruhrgebiet in den 1960-er Jahren übernahmen Otto und Eise die Hermeskeiler Mühle im Tal der Prims. Diese Mühle war 1826-1828 auch Wohnsitz des ausgewanderten Ehepaares Johann Lorscheiter und Katharina geb. Hornetz. die in Brasilien ihre neue Heimat fanden. Die Mühlengebäude der Bruderbach-Mühle wurden nach dem Verkauf aufwändig zu einer Wohnstätte umgebaut. Bis auf einen bergseitigen Gewölbekeller und Fundamentreste einer möglichen Remise sind nur noch geringe Spuren von wenigen historischen Gebäu­deteilen erkennbar. In den letzten Mona­ten ist nach der Pflipps-Mühle auch diese Mühle in das Eigentum des Arztehepaa­res Christoph Scholz übergegangen. So ist die Sicherheit gegeben, dass die Erhal­tung zweier bedeutende Kulturdenkmäler als Zeitzeugen einer längst untergegangen Mühlenepoche „ wo 's Mühlenrad am Bach sich dreht" im romantischen Tal des Bruderbaches auf lange Zeit gesichert ist.

Die Porns auf der probsteiischen Bannmühle im Grenderichtal

Der älteste Sohn Matthias der aus dem Moselgebiet zugewanderten Müllerfamilie Nikolaus Porn I und Eva Gerhard, ein Bruder des auf der Pflipps-Mühle residierenden Nikolaus Porn II., wurde am 1.3.1710 auf der Wolfer Mühle geboren, übernahm zunächst eine Mühle in Hinzert. wurde dann Müller auf der propsteiischcn Mühle im Grenderichtal bei Prosterath, die bereits Mitte des 18. Jahrhunderts weitgehend verfallen war. Etwa 1760 wurde die Felsenmühle bei Reinsfeld Heimat von Matthias Porn und seiner Familie. Matthias war in erster Ehe

mit der Maria Britz aus Beuren verheiratet. Die Ehe ist beurkundet im Kirchen­buch Beuren. Aus dieser Ehe gingen vier Kinder hervor, nämlich Margarethe, *    1733,   Susanne,   *    1734,   Matthias, * 1737, Johann Peter, * 1741. Das erste und vierte Kind waren geboren in Beuren und die beiden mittleren auf der Hinzerter Mühle. Nach dem Tod der ersten Frau heiratete Matthias in zweiter Ehe die Gertrud Schmitt aus Lorscheid. Dieser Ehe entstammen fünf Kinder. Drei davon, es waren die Söhne Jakob. Bern­hard, Johann Georg, wurden in Prosterath geboren, Geburtsheimat war die probsteiische Mühle im Grenderichtal im beklagenswerten Zustand des fortgeschrittenen Verfalls. Nach der Umsiedlung zur Felsenmühle bei Reinsfeld wurden noch die Töchter Maria, * 1760, und Margarethe 1763 geboren. Die letzten Geburten sind im Kirchenbuch Reinsfeld beurkundet. Die wirtschaftlichen Verhältnisse auf der probsteiischen Mühle waren mehr als schwierig. Schuld war unter anderem die Weigerung der Beurener, auf dieser Bannmühle ihr Getreide mahlen zu lassen. Der Mühlenbeständer konnte weder die Mühle im notwendigen baulichen Zustand erhalten, noch die Pacht bezahlen. Außerdem hatte der Müller durch eine neue Mühle an der Dhron Konkurrenz bekommen. So kam der im Jahr 1751 geborene älteste Sohn aus zweiter Ehe mit Namen Jakob in ein sozial schwieriges Umfeld, das sicher für seinen späteren Lebensweg beeinflussend war. Er wurde der berühmteste Beuren-Prosterather als Kumpan des Schinderhannes und Mitbeteiligter an einem Raubüberfall mit Todesfolge an einem Juden in Sötern. Nach Verlassen des Elternhauses und einer Tätigkeit auf der Hinzerter Mühle heiratete er am 3.11.1779 die Maria Schön aus Züsch. Sie verstarb bereits am 25.08.1780 auf der Züscher Schmelz. Zu dieser Zeit arbeitete Jakob Porn als Müller in Namborn. Aus der späteren Ehe mit Katharina Justinger aus Osburg entstammen mindestens drei Kinder, von denen ein Sohn den Namen Johannes, geboren etwa 1784 in Osburg, erhielt. Auch er war am Raubüberfall der Schinderhannesbande in Sötern beteiligt und stand mit seinem Vater und weiteren Mitgliedern der Schinderhannesbande vor den Schranken des Tribunals in Mainz. Beide lernten Johannes Bückler, den Schinderhannes, auf dem Breitzesterhof bei Baumholder, wo sie als Erntehelfer arbeiteten, zufällig, wie sie sagten, kennen. Vergeblich hatte sich Jakob Porn um etwa 1789/90 nach seiner Zeit in Namborn um die Anpachtung der Buweiler-Mühle bemüht. Dem Schnaps zugetan, jähzornig, charakterlich labil, streitsüchtig, ohne je festen Boden unter die Füße bekommen zu haben, wurde seinem Leben am 21.11.1803 im Beisein seiner Schicksalskameraden unter der Guillotine in Mainz ein vorzeitiges Ende gesetzt. Gerichtsverhandlung, Urteile und Hinrichtungen fanden in allen maßgeblichen Gazetten der damaligen Zeit bis nach Paris ihren Niederschlag. Beschuldigt wurde Jakob Porn u.a. der Landstreicherei, der Beteiligung an einem Diebstahl am 29./30. Juli 1801 bei Herz Mayer zu Ulmet, an Gewalttätigkeiten mit Körperverletzung und Diebstahl an den Gendarmen Andre bei einem Straßenraub im Soonwald am 3. Juli 1801 und dem Raubüberfall mit Todesfolge an dem Juden Mendel Lob, Kaufmann in Sötern, am 4./5. Sept. 1801.

 

Quellenhinweise:

Archive der Familienforscher Heribert Scholer, Schillingen und Hans-Peter Bungert, Großrosseln

Bistumsarchiv, Taufregister Beuren 1751 Privatarchiv Josef Breit, Rascheid Professor   Klaus   Gereis,   „Heimatbuch  der Gemeinde Beuren im Hochwald", S. 5l, 52, 67-70

Hannelore Reber, „Das Rad an meines Vaters Mühle. Privatdruck 2002, S. 408-414 Edmund  Schömer,  „Burg  und  Amt Grimburg", Förderverein Grimburg e.V., Hermeskeil1984

Uwe Anhäuser, „Schinderhannes und seine Bande", Rhein-Mosel-Verlag, 2003, TSBN 3-89801-014-7

Josef Breit, Rascheid, Wegekreuze und Ge­denksteine, Arbeitskreis Heimatkunde Johannishaus, Hermeskeil 1991, S. 75 Freundliche Auskünfte von: Christoph Scholz, Arzt, Beuren/Hochwald Else Hemmes, Mühlenhof b. Damflos Karl Hemmes, Reinsfeld Hubert Thielen, Rascheid Marianne Theobald, Rascheid Ernst Resch. Bescheid

 

Quelle: Der Schellemann 19.Jahrgang/Nr.19/Dezember 2006 – Wo`s Dörflein traut zu Ende geht...