"40 Jahre Hinzert-Pölert"

            1969 - 2009


Fusion: Vor 40 Jahren entstand die Doppelgemeinde Hinzert-Pölert
 

Video:
Hinzert-Pölert, 5.11.09: Geglückte Fusion:

Vor 40 Jahren entstand die Doppelgemeinde im Hochwald.

 

 


Rückblick auf 40 Jahre Hinzert-Pölert

Die scheidende Ortsbürgermeisterin Mathilde Müller (rechts am Rednerpult) begrüßte zur 40-Jahrfeier von Hinzert-Pölert zahlreiche Gäste im Pölerter Bürgerhaus.
Die scheidende Ortsbürgermeisterin Mathilde Müller (rechts am Rednerpult) begrüßte zur 40-Jahrfeier von Hinzert-Pölert zahlreiche Gäste im Pölerter Bürgerhaus.
 

 

 

 

 

 

                   

Feierstunde zum Jubiläum der Doppelgemeinde

Auch wenn es damals eher eine Zwangsehe gewesen war -gefeiert wurde trotzdem am vergangenen Freitag

mit einem offiziellen Teil im Bürgerhaus Pölert und einem sich daran anschließenden gemütlichen Teil im Bürgerhaus in Hinzert.

Es war gleichzeitig der letzte große Auftritt der seit der Kommunalwahl im Juni nur noch kommissarisch die Gemeinde

leitende Ortsbürgermeisterin Mathilde Müller.

Bei Erscheinen dieser RuH-Ausgabe wird der Gemeinderat voraussichtlich mit Markus Schmitt

einen neuen Ortsbürgermeister gewählt haben.

Mathilde Müller begrüßte die geladenen Gäste, darunter Dr. Beate Welter von der Landeszentrale für politische Bildung,

die Landtagsabgeordneten Burgard, Henter und Maximini, Landrat Schartz, Bürgermeister Hülpes und die Ortsbürgermeister

der Nachbargemeinden Köhl, Ludwig und Spies, mit einem Film, den der Südwestrundfunk vor einigen Jahren

über die Gemeinde gedreht hatte.

In ihrer Ansprache blickte sie auf die gemeinsame Zeit seit 1968/69 zurück und bedankte sich besonders bei allen,

die mit viel persönlichem Engagement in dieser Zeit für die Gemeinde aktiv gewesen waren, sei es als Ortsbürgermeister,

Beigeordneter oder Gemeinderatsmitglied, aber auch als Vereinsvorstand und auf sonstige Art und Weise.

Dass Gemeindegrenzen im täglichen Leben zwischen den Bürgern keine große Rolle spielen, erklärte Landrat Günther Schartz,

der das auch in Hinzert-Pölert beobachtet zu haben glaubt.

Er verglich den Zusammenschluss der beiden Orte vor 40 Jahren mit dem Mauerfall vor 20 Jahren:

In beiden Fällen sei man zu Anfang sehr skeptisch gewesen, doch die Entwicklung habe letztlich gezeigt,

dass es für beide Seiten von Vorteil sei.

In Hinzert-Pölert sei es gelungen, in der Zeit nach der Zusammenlegung eine gemeinsame Identität zu entwickeln.

Man habe eine gute Infrastruktur und tüchtige Einwohner, die stets anzupacken verstünden. An Mathilde Müller

ging sein persönlicher Dank dafür, dass sie sich in ihrer Amtszeit als Ortsbürgermeisterin mit viel Gefühl

für ihr Dorf eingesetzt habe.

Im Namen der Verbandsgemeinde gratulierte Bürgermeister Michael Hülpes, der unter anderem das blühende Vereinsleben

in der relativ einwohnerschwachen Gemeinde lobte: "Die Hinzerter und Pölerter sind mit Leib und Seele dabei,

ein aktives Gemeindeleben zu gestalten.

" Beispielhaft verwies er auf den ungewöhnlich hohen Eigenbeitrag der Bürger zu der vor einigen Jahren

durchgeführten Sanierung der Kapelle in Hinzert.

Auch er hob das Engagement der scheidenden Ortsbürgermeisterin besonders hervor,

die in ihrer Amtszeit ein besonderes Augenmerk auf eine regionaltypische Dorfentwicklung gehabt habe.

Pastor Ingo Flach zog in seinem Grußwort eine Parallele zwischen der Ortszusammenlegung vor 40 Jahren

und der derzeitigen Entwicklung in der Kirche: Auch hier werden immer mehr Gemeinden

zu Seelsorgeeinheiten zusammengelegt, was in der Bevölkerung ein Umdenken hervorrufen müsse.

Der Heimat- und Geschichtsforscher Dittmar Lauer aus Kell, der den Festvortrag halten sollte,

musste aufgrund einer schweren Verletzung ins Krankenhaus. An seiner Stelle trug sein Schwiegersohn Frank Lemke

einen Auszug aus der Festrede vor, in der er an die turbulenten Ereignisse vor 40 Jahren erinnerte.

Die Ortsbürgermeister der beiden Gemeinden hatten ihre Zustimmung zur Zusammenlegung von einer

Volksbefragung abhängig gemacht, deren Ergebnis im Dezember 1967 dann an Deutlichkeit kaum zu überbieten war:

In Hinzert stimmten 99 %, in Pölert 96 % der Einwohner dagegen.

Das hinderte den Landtag nicht daran, im Oktober 1968 die Fusion per Gesetz anzuordnen,

sodass im Juni 1969 der erste gemeinsame Gemeinderat zusammenkam.

Erster Ortsbürgermeister wurde der Pölerter Johann Müller, sein Beigeordneter der Hinzerter Lukas Lauer.

Die würdige Jubiläumsfeier im Pölerter Bürgerhaus wurde mit Gesangsbeiträgen des Pölerter Singkreises

und Gitarrenstücken von Oliver Bölsterling musikalisch begleitet.

Beim anschließenden Umtrunk in Hinzert unterhielten Ralph und Stefan Backes die Besucher mit Mundartliedern. (WIL-)

 


Zum Zusammenschluss gezwungen

Von unserem Redakteur Axel Munsteiner

Es war mitnichten eine Liebesheirat, sondern eine Zwangsehe:

1969 wurden die bis dahin selbstständigen Dörfer Hinzert und Pölert durch ein Landesgesetz zusammengelegt.

Am Samstag, 7. November, erinnert eine Veranstaltung an die Verschmelzung zu einer Ortsgemeinde vor 40 Jahren.

Hinzert-Pölert. "Wir werden kein großes Fest feiern. Aber wir wollen den 40. Jahrestag schon dazu nutzen,

um Rückblick auf unsere Geschichte zu halten." Das sagt Noch-Ortsbürgermeisterin Mathilde Müller im Vorfeld

der "Jubiläums-Veranstaltung", die am Samstag, 7. November, ab 17 Uhr zunächst mit einem offiziellen Teil

mit Grußworten im Bürgerhaus Pölert und anschließend ab 18.30 Uhr mit einem geselligen Part

im Bürgerhaus Hinzert geplant ist.
 
Seit 1969 bilden die beiden bis dahin eigenständigen Hochwalddörfer Hinzert und Pölert eine Ortsgemeinde.

Freiwillig geschah dieser Zusammenschluss aber keineswegs. "Das war eine von oben oktroyierte Angelegenheit",

betont Heimatforscher Dittmar Lauer, der zurzeit die Ortschronik erstellt.

Denn das Land hatte im Zuge einer Verwaltungsreform die Fusion der beiden kleinen Dörfer

mit ihren seinerzeit 400 Einwohnern angeordnet.

Jeglicher Widerstand gegen die Pläne des Gesetzgebers in Mainz erwies sich letztlich als zwecklos.

Dabei hatten beide Dörfer alle Hebel in Bewegung gesetzt, um die Zwangsehe zu verhindern.

Es gab sogar eine Volksbefragung, deren Ergebnis an Eindeutigkeit kaum zu überbieten war:

In Hinzert sprachen sich 107 Bürger gegen den Zusammenschluss aus, dafür war nur einer.

In Pölert stimmten 103 Menschen mit "Nein" und nur vier mit "Ja".

Doch weder dieses klare Votum noch die Gegenargumente der Gemeindeväter, d

ie unter anderem wegen der topografischen Lage und der Zugehörigkeit zu zwei verschiedenen Pfarreien ein

"Ineinanderwachsen für ausgeschlossen" hielten, fanden kein Gehör. Hinzert und Pölert mussten zusammengehen.
 
"In der heißen Phase gab es schon sehr viel Aufregung. Auf das tägliche Leben hatte die Fusion aber danach kaum Auswirkungen",

erinnert sich Mathilde Müller, die damals 16 Jahre alt war, zurück. Viel einschneidender sei gewesen,

dass es parallel zur Verwaltungs- auch eine Schulreform gab und plötzlich beide Schulhäuser leer standen.

"Im Laufe der Zeit haben sich die Leute mit den Gegebenheiten arrangiert",

sagt Chronist Lauer über den weiteren Verlauf des Ehelebens nach 1969.
 
Noch heute ist es allerdings das Kennzeichen der Gemeinde Hinzert-Pölert,

die vor allem wegen der Gedenkstätte des ehemaligen SS-Sonderlagers überregional bekannt ist,

dass dort vieles doppelt vorhanden ist: Es gibt im heute 300 Einwohner zählenden Dorf

beispielsweise weiter zwei Bürgerhäuser, zwei Friedhöfe, zwei Baugebiete oder zwei Freiwillige Feuerwehren.

Zwar räumt Müller offen ein, dass der Austausch zwischen den beiden 800 Meter voneinander

entfernten Ortsteilen schwierig ist, weil der Einschnitt des Kesselbachs zwischen Hinzert und Pölert liegt,

deshalb eine "Berg und Talfahrt" nötig ist und "ein sicherer Weg für Fußgänger fehlt".

Sie betont allerdings, dass die Hinzerter und Pölerter "inzwischen gut miteinander klarkommen"

und nur von Außen eine weiter existierende Barriere zwischen den Menschen in beiden Ortsteilen "herbeigeredet" werde.

Für Müller jedenfalls steht fest: "Im Endeffekt ist die Zusammenlegung gut gelaufen

und ich kann nicht sehen, dass sie uns irgendeinen Nachteil gebracht hätte."

 

 

 

 

 

 

 

 

 


Es war nicht gerade eine Liebesheirat

RuH Ausgabe KW 45/09 | Donnerstag, 05. November 2009

Brunnen und Spielplatz im Ortsteil Pölert

      Gemeinde Hinzert-Pölert feiert am Samstag 40-jähriges Bestehen mit Festakt

Im September 1967 kreiste in den Gemeinden Hinzert und Pölert ein Gerücht:

Das Innenministerium von Rheinland-Pfalz will alle Gemeinden unter 300 Einwohnern auflösen.

Die Bürgerinnen und Bürger hatten die Befürchtung, dass - entsprechend der Pfarrzugehörigkeit - Hinzert nach Beuren

und Pölert nach Rascheid angegliedert werden würden.

Da hielten manche den Zusammenschluss mit dem nur einen knappen Kilometer entfernten Nachbarn doch für besser.

Andere jedoch verwiesen auf die "seit ewigen Zeiten" bestehenden Streitigkeiten und Animositäten.

Gemeinsame Überzeugung war bei den meisten: die Selbständigkeit um jeden Preis bewahren!

        

Eine Bürgerbefragung zur Zusammenlegung der beiden Orte fand am 1.9.68 statt und hatte ein eindeutiges Ergebnis.

In Pölert votierten 104 Stimmberechtigte mit nein, nur vier mit ja,

in Hinzert gab es sogar nur eine Ja-, aber 107 Nein-Stimmen.

Für zusätzliche Verärgerung sorgte die geplante Auflösung der einklassigen Volksschule Pölert,

die dann auch zum 1.8.70 verfügt wurde.

In Hinzert hatte der letzte Unterricht bereits Anfang Juli 65 stattgefunden.

Die Landesregierung von Ministerpräsident Altmeier und ihrem Innenminister August Wolters

hielt das eindeutige Votum der Bevölkerung nicht davon ab, die Auflösung der beiden Gemeinden

und ihren Zusammenschluss zu verfügen.

Bei der Kommunalwahl am 8.6.69 sollte ein gemeinsamer Gemeinderat gewählt werden.

 

Als einziges Zugeständnis wurde erlaubt, bei der Namenswahl mitzuwirken.

Aus Hinzert kam der Vorschlag, die Gemeinde entsprechend der alphabetischen Reihenfolge Hinzert-Pölert zu nennen.

Aus Pölert kam, begründet durch die größere Einwohnerzahl, der gegenteilige Vorschlag.

Die beiden Gemeinderäte lehnten jedoch bei ihrer gemeinsamen Sitzung am 13.1.69, im Gasthaus Petry

unter Berufung auf die Volksbefragung jegliche Mitwirkung an der Namensgebung ab.

Ein Teilnehmer der Sitzung sagte, alle Wortmeldungen seien in sehr sarkastischem Ton gehalten gewesen,

denn bei vielen Leuten habe große Verbitterung geherrscht über "das diktatorische Vorgehen der Regierung,

die uns ja an der Nase herumführt". Rund um Hermeskeil schrieb Ende Mai 69:

"Über den Kopf der Einwohner hinweg hat der Gesetzgeber bestimmt,

dass die Gemeinden Hinzert und Pölert künftig zu einer Gemeinde zusammengelegt werden...

Nunmehr wird, so der Wortlaut des Gesetzes, der Gemeinde auch noch der Name von `oben´ beschert werden."

 

RuH fährt dann jedoch fort: "Sicherlich wird auch hier die Zeit einige Emotionen zurückdrängen...

Bleibt zu hoffen, daß trotz dem `Diktat´ die Vernunft obsiegt und aus der neuen Situation

die gewünschten Fortschritte erwachsen." So kam es dann auch.

Die Menschen in der 300 Einwohner-Gemeinde haben sich in den letzten 40 Jahren aneinander gewöhnt.

"Sie sehen das jetzt alles gelassen", meint Noch-Ortsbürgermeisterin Mathilde Müller, "sie haben sich arrangiert.

" Auf die beiden aus Pölert stammenden Ortsbürgermeister Josef Müller und Alois Detemple

folgte der Hinzerter Willi Auler.

Nach dessen Wegzug nahm Alois Detemple das Amt bis zu seinem allzu frühen Tod wieder wahr.

Mathilde Müller bekleidete es die letzten zehn Jahre und nun soll wieder ein Hinzerter folgen.

Markus Schmitt hat sich bereit erklärt, bei der nächsten Sitzung des Gemeinderates am 10. November zu kandidieren.

Wie zu hören ist, haben sich die drei Pölerter Ratsmitglieder der Liste Müller und die drei Hinzerter,

neben Markus Schmitt, Lutwin Loch und Mario Leiber, auf seine Wahl verständigt.

Mathilde Müller soll im Gegenzug 1. Beigeordnete werden und den neuen Ortsbürgermeister unterstützen.

 

Am kommenden Samstag will die Gemeinde nun ihr 40-jähriges Bestehen mit einem Festakt feiern,

zu dem alle Bürgerinnen und Bürger herzlich eingeladen sind. Er beginnt um 17.00 Uhr,

im Bürgerhaus Pölert mit einem Musikstück des Gitarristen Oliver Bölsterling.

Nach der Begrüßung durch Mathilde Müller wollen Landrat Günther Schartz, Bürgermeister Michael Hülpes

und Pastor Ingo Flach Grußworte sprechen. Dittmar Lauer, der derzeit an der Chronik von Hinzert-Pölert arbeitet,

wird in seinem Festvortrag Interessantes von seinen Forschungsarbeiten berichten.

Um 18.30 Uhr wird die Feier mit einem Umtrunk im Bürgerhaus Hinzert fortgesetzt.

Ralph und Stefan Backes werden mit Mundartliedern für die musikalische Umrahmung sorgen. (ws)